Deutsche Verkehrswissenschaftliche Gesellschaft

Straßenbild, symbolisiert Straßenverkehr
Wolkenbild, symbolisiert Luftwege
Freitag 15. Juni 2018 13:04 Alter: 102 Tage

Pressemitteilung: DVWG-Jahresverkehrskongress 2018

Von: HGS

Perspektiven des Schienenfernverkehrs im Spannungsfeld von Flixbus, Billigflügen und neuen Mobilitätsangeboten

Mit der aktuellen Thematik „Zukunft des Schienenfernverkehrs – Deutschland im internationalen Vergleich“ setzte sich in Erfurt unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Matthias Gather (FH Erfurt) der Jahresverkehrskongress 2018 der DVWG auseinander. Am 7. und 8. Juni diskutierten die 140 Teilnehmer aus Deutschland und anderen europäischen Staaten verschiedene Lösungsvorschläge für die Stärkung des Schienenverkehrs.

In seiner Keynote zum Auftakt der Veranstaltung verwies Prof. Dr. Alexander Eisenkopf (Zeppelin University) auf die differenzierte Entwicklung im Schienenpersonenfern- und -nahverkehr: „Trotz Inbetriebnahme vieler teurer Schnellfahrstrecken und niedriger Trassenpreise ist die Verkehrsleistung des SPFV seit der Bahnreform kaum gewachsen“. Eine wirkliche Verkehrswende in Deutschland ist aus seiner Sicht unter den derzeitigen verkehrspolitischen Rahmenbedingungen kaum vorstellbar.

Die im europäischen Kontext nach wie vor existierende Heterogenität im Schienenverkehr wurde anhand der Fallbeispiele Großbritannien, Frankreich und Schweiz aufgezeigt. In packenden Vorträgen erörterten Prof. Jon Shaw (University of Plymouth), Prof. Laurent Guihéry (Université de Cergy-Pontoise) und Prof. Dr.-Ing. Stefan Karch (Railway Design & Innovation AG) die unterschiedlichen nationalen Strukturen, Problemstellungen, Politiken und Denkmuster.

Im Anschluss an die rahmengebenden Vorträge bot sich den Teilnehmern in drei parallelen Sessions die Möglichkeit einer vertiefenden fachlichen Auseinandersetzung und Diskussion zu den Schwerpunkten „Wettbewerb und Kooperation im SPFV“, „Anforderungen an die Infrastruktur“ sowie „veränderte Mobilitätsmuster / Kundenwünsche“.

Nach einer Zusammenfassung der Sessions diskutieren in einer abschließenden Podiumsdiskussion Vertreter der österreichischen Eisenbahn, der DB, von Uber und von FlixBus über die künftigen Entwicklungsperspektiven des Fernverkehrs.

In seinem Fazit stellte Prof. Gather fest, dass es im Schienenverkehr im Spannungsfeld zwischen Wettbewerb und staatlicher Lenkung vor allem um grundsätzliche Fragen geht: Welche Position soll der Schienenfernverkehr im Gesamtverkehrssystem jenseits quantitativer Entwicklungsziele haben? Sind die aktuell umgesetzten, planerisch aber über 25 Jahre alten Infrastrukturlösungen zeitgemäß? Und sind die bestehenden Governance-Modelle sinnvoll?

Viele sich heute stellende Fragen und Aufgabenstellungen sind keineswegs neu und bereits vielfach diskutiert worden; allerdings stehen derzeit beträchtliche Finanzmittel für die Modernisierung des Schienennetzes zur Verfügung, vor allem aber steht der Verkehrssektor allgemein vor einer bedeutenden Umbruchphase. Die Bahn weist hinsichtlich Verkehrssicherheit, Umweltbilanz und Effizienz anerkannte Vorteile gegenüber allen konkurrierenden Verkehrsmitteln auf, doch sinkt dieser Vorsprung kontinuierlich. Der Fernverkehr der Bahn wird künftig nur dann eine wichtige Rolle im Gesamtverkehrssystem spielen können, wenn er diese Vorzüge weiter stärkt, vor allem aber an Flexibilität, Zuverlässigkeit und Kundenfreundlichkeit gewinnt.


Kräne und Hafenanlage, symbolisiert Schiffsverkehr
Bild Bahngleise, symbolisiert Schienenverkehr

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