Reifen länger im Kreislauf halten, Kinder gemeinsam mit dem Fahrrad zur Schule bringen und sicheres Fahrradparken digital zugänglich machen: Mit Allianz Zukunft Reifen (AZuR), BiciBus-Deutschland und radbox.nrw stehen drei Projekte im Finale des Innovationspreises der deutschen Mobilitätswirtschaft. Die Fachjury der Deutschen Verkehrswissenschaftlichen Gesellschaft e. V. (DVWG) hat sie für die Kategorie „Produkt/Projekt“ nominiert.
„Innovation muss nicht immer die nächste große Technologie sein“, sagt Prof. Knut Ringat. „Alle drei Finalisten verbinden einzelne Lösungen zu einem System, das Mobilität einfacher, nachhaltiger und zugänglicher macht – und damit mehr bewirkt als die Summe seiner Teile.“
Allianz Zukunft Reifen: Reifen und Rohstoffe länger nutzen
Die Allianz Zukunft Reifen (AZuR) bringt Unternehmen aus Reifenindustrie, Handel und Recyclingwirtschaft mit der Wissenschaft zusammen. Gemeinsam arbeiten sie daran, Reifen möglichst lange zu nutzen: Sie werden repariert, nachprofiliert oder runderneuert, bevor ihre Materialien schließlich recycelt werden.
Bei der Runderneuerung von Nutzfahrzeugreifen entstehen laut einer von AZuR angeführten Ökobilanz des Fraunhofer-Instituts UMSICHT gegenüber der Herstellung vergleichbarer Neureifen mehr als 60 Prozent weniger CO₂-Emissionen. Gleichzeitig sinkt der Rohstoffbedarf um rund zwei Drittel, der Energiebedarf um etwa 50 Prozent. In Deutschland fallen jährlich rund 535.000 Tonnen Altreifen an; mehr als die Hälfte davon wird nach Angaben von AZuR bereits im Kreislauf gehalten.
BiciBus-Deutschland: gemeinsam mit dem Fahrrad zur Schule
Bei BiciBus-Deutschland fahren Kinder gemeinsam und begleitet mit dem Fahrrad zur Schule – auf vordefinierten Routen und zu vorgegebenen Zeiten sowie mit Zu- und Ausstiegsstellen ähnlich einer Buslinie. Erwachsene begleiten die Gruppen und schirmen insbesondere jüngere Kinder im Straßenverkehr ab. So sammeln die Schülerinnen und Schüler bereits ab der 1. Klasse regelmäßig und geschützt eigene Fahrpraxis auf ihrem Schulweg.
Damit möglichst viele Schulen das Modell übernehmen können, setzt die Initiative auf ein einfach übertragbares und realisierbares Konzept mit Fahr- und Streckenplänen sowie vor allem entsprechenden Sicherungsmechanismen. Hierzu gehört vor allem auch eine enge Kooperation mit Eltern, Schulen und Kommunen, um Verstetigung und Nachhaltigkeit zu gewährleisten. In Frankfurt ist BiciBus inzwischen an rund zehn Schulen vertreten, auf einzelnen Routen fahren bis zu 50 Schülerinnen und Schüler mit. Nach Angaben der Initiative ist BiciBus bundesweit mittlerweile in mehr als 50 Kommunen präsent.
radbox.nrw: eine Plattform für digitales Fahrradparken
Wer Fahrrad und öffentlichen Verkehr kombiniert, trifft vielerorts auf unterschiedliche Buchungs- und Zugangssysteme. radbox.nrw bündelt deshalb sichere Fahrradabstellanlagen auf einer gemeinsamen digitalen Plattform. Darüber können Nutzende Stellplätze buchen, bezahlen und digital auf Fahrradboxen, Sammelschließanlagen oder Fahrradparkhäuser zugreifen – unabhängig vom jeweiligen Anlagenhersteller.
Inzwischen sind 390 Anlagen mit mehr als 10.200 Stellplätzen in 150 Kommunen angebunden. Mehr als 25.000 Menschen nutzen das System. Die Plattform lässt sich außerdem in Mobilitäts-Apps und andere Buchungssysteme integrieren.
„Alle drei Finalisten funktionieren bereits in der Praxis“, sagt Prof. Dr. Jan Ninnemann, Präsident der DVWG und Mitglied der Jury. „Überzeugt hat uns auch, dass ihre Ansätze nicht auf einen einzelnen Ort beschränkt sind, sondern von weiteren Schulen, Kommunen oder Unternehmen übernommen werden können.“
