Der Artikel erschien exklusiv für Mitglieder bereits im Dezember in der Mitgliederzeitschrift DVWG aktuell Ausgabe 92.
Seit 2013 bin ich Mitglied der DVWG. Eine erste aktive Rolle übernahm ich 2017, als ich gefragt wurde, ob ich die Aufgabe der Sprecherin des Jungen Forums in der Bezirksvereinigung Oberrhein übernehmen wolle. Ich stand damals kurz vor dem Abschluss meiner Dissertation – ein Zeitpunkt, an dem man nicht unbedingt nach neuen Aufgaben sucht. Doch nach kurzem Überlegen sagte ich zu – zusammen mit Sebastian Buck starteten wir als Sprecherteam.
Ein Blick in die Mitgliederstatistik zeigte uns, was viele Vereine kennen: Der Nachwuchs war überschaubar. Wir wollten herausfinden, was Studierende und Berufseinsteigende brauchen, um sich angesprochen zu fühlen. Unsere erste Idee war das klassische Kamingespräch. Je länger wir darüber sprachen, desto klarer wurde uns jedoch: Ein Kamin passt nicht zu uns. Wenn wir schon über Verkehr reden, warum dann nicht mitten in einem Verkehrssystem?
So entstand die Idee der Stadtbahngespräche: ein zwangloses Format in einer fahrenden Stadtbahn, mit Gästen aus Praxis, Wissenschaft und Politik, dazu Brezeln und Getränke. Diese Idee stellten wir bei der Bezirksversammlung vor – halb erwartend, belächelt zu werden ob dieser Idee. Doch das Gegenteil war der Fall: Die Anwesenden nahmen unsere Idee sehr positiv auf, und Vertreter der Geschäftsführung der Karlsruher Verkehrsbetriebe (KVV) signalisierten sofort ihre Unterstützung und stellten uns das Wichtigste bereit – eine Stadtbahn und einen Stadtbahnfahrer. Direkt im Anschluss an die Versammlung kamen zudem mehrere Unternehmen auf uns zu und boten an, Referentinnen und Referenten für die ersten Veranstaltungen zu entsenden. So nahm das Format Fahrt auf – im wahrsten Sinne des Wortes.
Besonders beeindruckend fand ich, wie unkompliziert und offen alle Beteiligten auf unsere Idee reagierten. Für mich war das ein prägendes Erlebnis, das zeigte, wie viel Potenzial in solchen Netzwerken steckt – und wie wir mit etwas Mut und Kreativität neue Wege schaffen können. 2018 zog ich aus Karlsruhe weg und gab die Sprecherinnenrolle ab. Umso schöner ist es für mich zu sehen, dass das Junge Forum in der BV Oberrhein bis heute so aktiv ist und die Stadtbahngespräche regelmäßig stattfinden. Zuletzt im Mai 2025 unter dem Titel „Karlsruher Verkehrspolitik im Dialog“ – ein klares Zeichen dafür, wie lebendig das Format geblieben ist.
Beruflich veränderte sich in den folgenden Jahren vieles für mich: neuer Wohnort, neuer Job, neue Aufgaben, Familiengründung. Die DVWG rückte zeitweise etwas in den Hintergrund. Doch 2021 kam eine Anfrage des DVWG-Präsidiums: Ob ich mir vorstellen könne, im Beirat mitzuwirken. Ich konnte – und wollte. Seither treffe ich mich zweimal im Jahr mit einer Gruppe engagierter Kolleginnen und Kollegen, online wie offline. Wir diskutieren aktuelle Themen, reflektieren Formate der Hauptgeschäftsstelle, sammeln Ideen für kommende Journal-Ausgaben und überlegen, welche neuen Angebote die DVWG künftig entwickeln könnte. Diese Zusammenarbeit ist inspirierend, weil sie unterschiedliche fachliche Hintergründe zusammenbringt und zugleich praxis- wie forschungsnah bleibt.
Hinzu kommt: Mitglieder des Beirats werden auch angefragt, spannende Aufgaben der DVWG zu übernehmen. So war ich 2023 Jury-Mitglied beim verkehrswissenschaftlichen Förderpreis „Carl Pirath“, der herausragende ingenieurwissenschaftliche Dissertationen im Verkehrsbereich auszeichnet und besonders junge Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler würdigt.
Ein besonderer Höhepunkt war für mich der dritte Tag der Verkehrswissenschaft am 28. Januar 2025 in Berlin, für den ich die wissenschaftliche Leitung übernehmen und durch den Tag moderieren durfte. Unter dem Motto „Lebenswerte ländliche Räume durch innovative Mobilität“ widmete sich die Veranstaltung einer Frage, die mich seit Jahren beschäftigt: Wie gelingt es, Mobilität im ländlichen Raum nicht nur funktional, sondern attraktiv und nachhaltig zu gestalten? Der Tag fand in der Vertretung des Saarlandes beim Bund statt und brachte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, politische Entscheidungsträgerinnen und -träger sowie Praktikerinnen und Praktiker zusammen.
Das Programm spannte den Bogen von politischen Rahmenbedingungen über neue Mobilitätslösungen bis hin zu digitalen Technologien – rund 120 Teilnehmende sorgten für einen vollen Saal und lebendige Diskussionen.
Wenn ich heute auf meine Jahre mit der DVWG schaue, sehe ich kein lineares Ehrenamt, sondern ein Engagement, das sich mit meinem Leben mitentwickelt hat. Mal stand es im Vordergrund, mal im Hintergrund – aber es war immer ein Ort, an dem sich Menschen einbringen, ausprobieren und wachsen können. Ohne große Hürden, mit viel Offenheit und oft mit einer überraschenden Portion Pragmatismus. Daher mein Fazit – und meine Empfehlung an alle jungen Menschen im Verkehrsbereich: Engagement lohnt sich. Es schafft Verbindungen, öffnet Türen und erweitert Horizonte. Und manchmal entsteht daraus sogar ein Gesprächsformat in einer fahrenden Stadtbahn.
Prof. Dr. Christine Eisenmann ist seit 2023 Professorin für Infrastruktur- und Mobilitätsplanung an der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg. Zuvor war sie am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) tätig. Sie studierte und forschte außerdem an der University of Iceland, Island und an der Virginia Tech, USA.
