Anne Hidalgo erhält Persönlichkeitspreis für Verkehrswende gegen Widerstände

Ehemalige Pariser Bürgermeisterin für ihren mutigen Umbau der französischen Hauptstadt ausgezeichnet / Weniger Autoverkehr, mehr Platz für Menschen / Hidalgo kommt am 17. November persönlich zur Preisverleihung nach Frankfurt

Sie hat dem Autoverkehr in Paris den Platz streitig gemacht, ganze Straßenzüge umgestaltet und eine der größten Metropolen Europas auf einen neuen Kurs gebracht: Anne Hidalgo erhält den Persönlichkeitspreis des Innovationspreises der deutschen Mobilitätswirtschaft. Die Deutsche Verkehrswissenschaftliche Gesellschaft e. V. (DVWG) ehrt die ehemalige Pariser Bürgermeisterin für ihren unermüdlichen Einsatz für die Verkehrswende. Von 2014 bis 2026 hat Hidalgo die Mobilität in der französischen Hauptstadt grundlegend verändert und dabei auch vor heftigen politischen Auseinandersetzungen nicht zurückgeschreckt. Am 17. November 2026 wird sie die Auszeichnung persönlich in der Frankfurter Paulskirche entgegennehmen.

„Anne Hidalgo hat bewiesen, wie viel eine einzelne Persönlichkeit bewegen kann, wenn sie eine klare Vision mit politischem Mut und Durchhaltevermögen verbindet“, sagt Prof. Knut Ringat, Juryvorsitzender und Initiator des Innovationspreises. „Sie hat unbequeme Entscheidungen getroffen, Widerstände ausgehalten und ihren Kurs über zwölf Jahre konsequent verfolgt. Damit hat sie nicht nur Paris verändert, sondern ist zum Vorbild für Städte in ganz Europa geworden.“

Gegenwind ausgehalten, Veränderungen durchgesetzt

Wie entschlossen Hidalgo ihre Ziele verfolgte, zeigte sich besonders an der Umgestaltung des Seineufers. 2016 ließ sie eine 3,3 Kilometer lange Schnellstraße entlang des rechten Seineufers für den Autoverkehr sperren. Die Entscheidung löste heftige politische Auseinandersetzungen aus und beschäftigte die Gerichte. Als ein Verwaltungsgericht die Sperrung 2018 für rechtswidrig erklärte, gab Hidalgo nicht nach. Auf einer neuen rechtlichen Grundlage setzte die Stadt die Verkehrsberuhigung schließlich dauerhaft durch. Wo früher Autos fuhren, spazieren und radeln heute Menschen direkt an der Seine.

„Eine Stadt muss vor allem für die Menschen da sein, die in ihr leben. Als Bürgermeisterin war es meine Verantwortung, Paris gesünder, lebenswerter und besser auf die Herausforderungen des Klimawandels vorzubereiten“, sagt Anne Hidalgo. „Dafür mussten wir auch Gewohntes infrage stellen und den öffentlichen Raum neu verteilen. Weniger Platz für Autos bedeutet mehr Platz für Fußgänger, Radfahrer und das Leben in unserer Stadt. Dass wir diesen Wandel gemeinsam voranbringen konnten, macht mich stolz.“

Zwölf Jahre, die Paris verändert haben

Die Seineufer sind nur eines von vielen Beispielen für Hidalgos Umbau der französischen Hauptstadt. Während ihrer Amtszeit entstanden nach Angaben der Stadt Paris rund 550 Kilometer neue Radwege. Große Plätze wie die Place de la Bastille und die Place de la Nation wurden zugunsten von Fußgängern und Radfahrern umgestaltet, Hunderte Straßen im Umfeld von Schulen verkehrsberuhigt. Der Radverkehr nahm kräftig Fahrt auf: Auf dem vergleichbaren Radverkehrs-Zählnetz lag das Verkehrsaufkommen 2025 um 47 Prozent höher als 2020.

Gleichzeitig ging der Autoverkehr deutlich zurück: Zwischen 2011 und 2023 sank er innerhalb des Pariser Stadtautobahnrings um mehr als 40 Prozent. Auch die Luft ist sauberer geworden. Zwischen 2014 und 2024 ging die Konzentration von Stickstoffdioxid um 45 Prozent zurück, die Feinstaubbelastung um 35 Prozent. Neben der Verkehrspolitik trugen dazu auch modernere Fahrzeugflotten und weitere Maßnahmen zur Luftreinhaltung bei.

„Von Anne Hidalgo können sich auch deutsche Politikerinnen und Politiker etwas abschauen: Sie hat die Verkehrswende nicht als Summe einzelner Projekte verstanden, sondern als Aufgabe, die gesamte Stadt neu zu denken“, sagt Prof. Dr. Jan Ninnemann, Präsident der DVWG und Mitglied der Jury. „Sie hat klare Prioritäten gesetzt und damit einen Wandel angestoßen, der heute im Alltag der Menschen sichtbar ist. Gerade in Deutschland, wo wir oft über einzelne Maßnahmen diskutieren, lohnt sich der Blick auf diesen ganzheitlichen Ansatz.“